Das Luder

Martina E. Siems-Dahle


 

Magst tanzen mit mir im fahlen Licht?

Bei Tannenduft?

Auf Moos gebettet,

verschling ich dich mit meinen Schenkeln.

 

Magst jagen mit mir durch Dornengebüsch?

Zum Ruf der Eule?

Im See erfrischt,

liebkost mein kalter Busen deine Lenden.

 

Magst laben dich an meinen Gruben?

Bei brütenden Vögeln?

Über Pfade der

fließenden Glut verführe ich dich.

 

Magst, dass ich dein Köder bin?

Ein Lockruf des Verlangens?

Willst, dass ich mich

schinde auf Knien vor deinem Eros!

 

Magst fühlen das Feuer unsrer Herzen?

Blutrote Haut auf weißen Federn!

Wässrige Küsse glucksen

im Sumpf meiner Verderbtheit.

 

Magst rufen mich bei meinem Namen?

Mein brennender Atem flackert vor Lust!

Als Jungfrau Diana soll ich dir dienen,

nennst Luder mich.

 

Magst dich nicht wehren mit Klauen und Zähnen?

Ich keuche meine Beichte mit Freude Dir ins Ohr:

Deinen Leib will ich weiden,

wie der Jäger die Ricke!

 

Magst nun darben auf liederlichem Schindacker,

verscharrt unter vertrocknetem Laub!

Noch ein Mal witt’re ich deinen klebrigen Duft.

Nun lockst du nach altem Brauch das Biest!

 

 

Weitere GeschichtenGedichteGeschütteltes finden Sie in meinem Buch: Komm! Lass' uns von vorne anfangen. Siehe STARTSEITE oder BÜCHER / Presse

So effektiv wie eine Autobremse

Ein Gespräch mit Boy Cott, dem Blockadeteufel

Köln, den 19.Mai 2013.  Unserer Redakteurin, Martina S.-D., ist es geglückt, unter nicht ganz einfachen Umständen den international bekannten und geächteten Boy Cott an einem geheimen Ort zu treffen. Kaum einer kennt sich in den Gehirnwindungen dieser Menschheit so gut aus, wie dieser zeitlos daher kommende Tunichtgut. Nicht jeder kennt ihn. Er nistet sich vorwiegend in Hohlräumen von Dichtern und Denkern ein. Produktive Menschen, die mit ihrer eigenen Hände Arbeit Großes und Nützliches schaffen, sind meistens immun gegen dieses Ideenteufelchen.



M.: Guten Tag, Herr Boy Cott! Ich freue mich, Sie im Namen der Redaktion „Ich denke, also bin ich“ zu begrüßen.
B.C.: Sind Sie sich sicher?
M.: Bitte?
B.C.: Dass Sie sich freuen….
M.: Doch, ja, stellvertretend für eine ungezählte Anzahl schöpferischer Menschen ist es mir ein Vergnügen, in einen Disput mit Ihnen zu treten.
B.C.: Gut, dann bin auch ich sehr froh, dass ich bei Ihnen Platz nehmen darf.
M.: Eine Frage, die viele fortwährend beschäftigt: Wie gelingt es Ihnen, stets im unpassendsten Moment  zu stören?
B.C.: Sehen Sie, das ist Ansichtssache. Ich finde, dass ich immer im geeignetsten Moment  komme. Dann nämlich, wenn ich sehe, dass es wegen unersättlicher Kreativität unter der Schädeldecke zu glühen anfängt, dann ist es Zeit für mich, die Notbremse zu ziehen.
M.: Da muss ich aber aus eigener Erfahrung protestieren! Unbändige, überschäumende Schreibwut ist ein Hochgefühl, ein geistiger Orgasmus! Niemand hat das Recht, für einen Spiritus interuptus zu sorgen. Das grenzt an Existenzvernichtung.
B.C.: Ich erkenne, Sie und ihre Kollegen und Kolleginnen haben noch nicht begriffen, dass ich so notwendig bin wie die Bremse eines Autos, das zu schnell um die Kurve fährt.  Sehen Sie es doch mal positiv!
M.: Sie verwechseln physikalische Kräfte mit empathischer Energie.
B.C.: Keineswegs. Ich benutze hier das Bild eines Bremsvorganges, der dafür sorgt, dass die Weiterfahrt, hier das Weiterdenken, in geraden Bahnen fortlaufen kann. Sie würden sich doch hoffnungslos verfranzen in ihren zig-tausend Windungen und Gewölben, ins schier Unendliche driften, Ihre Linie verlieren, wenn ich Sie nicht dazu anhielte, über Ihr Geschreibsel mal in Ruhe  nachzudenken. Meine Fähigkeit, in Ihnen ein Vakuum zu erzeugen, gibt Ihnen die wertvolle Zeit, sich mit dem Sprichwort „carpe diem“ näher zu beschäftigen.
M.:  Wonach entscheiden Sie, wie lange Sie Ihr Opfer befallen? Sie mögen sich erinnern, dass so mancher Dichter kurz vor dem Selbstmord stand, weil sein Vakuum ihn über Jahre füllte.
B.C.: Nun, gut. Ich verrate Ihnen ein Geheimnis. Wer gegen mich ankämpft, verliert. Wer mich als seinen Partner begreift, gewinnt.
M.: Ich danke Ihnen für dieses Gespräch, Herr Boy Cott. Wohin führt Sie Ihre nächste Reise?
B.C.: Das werde ich Ihnen nicht sagen.





© Martina E. Siems-Dahle

© 2013 Siems-Dahle